Grafische Nachrichten

 

15.09.2016, 06:01 Uhr 

Kommt die Kanalvision doch noch?

 Kanalvision doch noch?

Nur mit hohem Aufwand ist der alte Zollschuppen am Nordhorn-Almelo-Kanal noch zu retten. Die Stadt hat ihn jetzt gekauft und will ihn sanieren. Er könnte zum Verbindungsglied einer neuen Kanalvision werden. Foto: Konjer
Von Rolf Masselink

Die vor zehn Jahren „beerdigte“ Idee einer deutsch-niederländischen „Kanalvision“ bekommt neuen Auftrieb: Nordhorn entwickelt Projekte an der Grenzschleuse und Dinkelland prüft eine Öffnung des Nordhorn-Almelo-Kanals.

Nordhorn. Bootsverkehr auf dem Nordhorn-Almelo-Kanal zwischen Nordhorn und der niederländischen Nachbargemeinde Dinkelland – das war vor gut zehn Jahren eine der zentralen Projektideen der damaligen „Kanalvision“. Obwohl diese Vision seinerzeit vor allem am Widerstand niederländischer Gemeinden und Behörden scheiterte, hat man in Nordhorn die Idee nie aus dem Blickfeld verloren. Jetzt bekommt sie neuen Auftrieb – ausgerechnet aus der niederländischen Grenzgemeinde Dinkelland, die sich damals nicht zu einer Wiederöffnung der Kanaltrassen entschließen konnte.

Inzwischen gilt das Thema Wasser aber auf beiden Seiten der Grenze als touristischer Wachstumsmotor. Deshalb wird in Nordhorns Nachbargemeinde Dinkelland neuerdings intensiv über eine Öffnung von Kanaltrassen und Wasserläufen für einen sanften Wassertourismus nachgedacht. Inzwischen liegt dort ein Konzept auf dem Tisch, das auch eine Wiederöffnung der Kanalverbindung nach Deutschland für Kanus und Elektroboote vorschlägt.

Wie viel touristisches Potenzial in dieser grenzüberschreitenden Kanalverbindung stecken könnte, diskutierten die Führungsspitzen der Stadt Nordhorn, der Gemeinde Dinkelland sowie regionale Tourismus- und Wasserexperten am Mittwoch bei einer Bootstour auf dem Nordhorn-Almelo-Kanal.

Nordhorn saniert Zollhaus

Die Stadt Nordhorn will das alte Zollhaus am Nordhorn-Almelo-Kanal sanieren.

Die Öffnung des Kanalabschnitts von der Grenzschleuse bis zum „Pannenkoekenhuis Bolle Jan“ an der Hauptstraße nach Denekamp soll laut Konzeptstudie rund 5,6 Millionen Euro kosten. Den größten Teil dieser Summe hat Dinkelland dem Vernehmen nach bereits finanziert. In der vergangenen Woche hat Dinkelland eine Projektgruppe ins Leben gerufen, die nun die Realisierung des Projekts prüfen und vorbereiten soll. Schon bis Ende dieses Jahres, kündigte Dinkellands Bürgermeisterin Ineke Bakker am Mittwoch in Nordhorn an, wolle die Gemeinde Dinkelland einen Grundsatzbeschluss über die Kanalöffnung fassen.

In Nordhorn werden die niederländischen Aktivitäten mit aufmerksamer Sympathie verfolgt, denn auch hier steht der Nordhorn-Almelo-Kanal zurzeit im Zentrum weiterer Wasserstadtplanungen. Seit dem Ende der Kanalvision hat Nordhorn in einer „Politik der kleinen Schritte“ seine maritimen Tourismusangebote ausgebaut und sein Profil als Wasserstadt geschärft. So entstanden neue Bootsanleger, der Kauf neuer Boote für den VVV und neuer Tretboote und viele andere kleine Projekte wurden angestoßen.

  Kanalvision doch noch?

Auf Erkundungstour zu den Chancen des Wassertourismus gingen die Führungsspitzen aus Nordhorn und Dinkelland. Foto: Konjer

Am Nordhorn-Almelo-Kanal will die Stadt Nordhorn künftig unter anderem den Klukkerthafen weiter aufwerten. Die Ansiedlung des Eisenbahnvereins Graf MEC könnte dort einen touristischen Knotenpunkt schaffen: einen Übergangspunkt zwischen Bahn-, Rad- und Wassertourismus.

Nachgedacht wird auch über den Bau eines Bootsanlegers an der Ludwig-Povel-Schule. Dort soll ein schulisches Wassersportangebot entstehen.

Neuester Coup: Die Stadt Nordhorn hat vor wenigen Tagen nach jahrelangen Verhandlungen den historischen Zollschuppen an der Grenzschleuse Frensdorferhaar gekauft. Dort waren vor und nach dem Ersten Weltkrieg die Lastkähne abgefertigt worden, die auf dem Kanal zwischen Deutschland und den Niederlanden verkehrten. Das denkmalgeschützte, aber völlig verfallene Gebäude aus dem Jahr 1904 soll zunächst für rund 120.000 Euro gesichert und vor dem endgültigen Verfall gerettet werden. Langfristig soll der Zollschuppen komplett saniert und zu einem Ort für Ausstellungen, Begegnungen und Aktionen rund um das Thema Grenze und Kanäle ausgebaut werden.